Und kein bisschen leise...

Von Bach bis Blues – 70 Jahre evangelischer Posaunenchor Attendorn  

Die evangelische Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt feierte am Reformationstag, 31. Oktober, trotz deutlicher Einschränkungen durch die Corona-Krise einen musikalisch-festlichen Gottesdienst. Leider konnte anschließend weder die Verabschiedung von Pfr. Dr. Grote noch der 70-jährige „Geburtstag“ des Evangelischen Posaunenchores Attendorn gebührend gefeiert werden.  

Erstmals am Reformationstag 1950 begleiteten vier jugendliche Bläser den Gemeindegesang zu Luthers zuversichtlichem Vertrauenslied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der junge Eberhard Röhrig - damals Oberprimaner am Rivius-Gymnasium und später Superintendent in Wuppertal - hatte die Initiative ergriffen und mit den drei gleichgesinnten Mitschülern und Brüdern Dieter, Klaus und Wolfgang Demtröder den evangelischen Posaunenchor ins Leben gerufen.

 

Am Anfang ein ehrwürdiges „Kuhlo-Horn“

Das erste Instrument hatte Pfr. i. R. Johannes Thomä den Jugendlichen zur Verfügung gestellt: sein altehrwürdiges „Kuhlo-Flügelhorn“, dessen Name an die Gründerväter evangelischer Posaunenchöre zur Zeit der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhunderts erinnert.

 

Vater und Sohn Kuhlo hatten den 150. Psalm beim Wort genommen und setzten seinen Aufruf „Lobet den Herrn mit Posaunen“ bei Missionsfesten und Großveranstaltungen unter freiem Himmel konsequent in eine Musik von Laien-Chören um, deren Mitte der „gesanglich“ geblasene Choral war. Während Vater Eduard Kuhlo sein Werk im Minden-Ravensberger Land begonnen hatte, sollte Sohn Johannes, der nach dem Vikariat im Hamburger „Rauhen Haus“ bei Johann Hinrich Wichern zum Pfarrer der Bodelschwing´schen Anstalten in Bethel berufen wurde, die Bläserarbeit in die Ausbildung der jungen Diakone integrieren. So ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bielefeld die Rede um, dass man in Bethel mit dem Flügelhorn auf die Welt komme und erst blasen und dann laufen lerne. –

 

Ermutigendes Echo und erste Musikerinnen

Der Attendorner Posaunenchor – am 31.10.1950 in der Sauerländer Diaspora „aus der Taufe gehoben“ und dank Unterstützung evangelischer Fabrikanten und Geschäftsleute schon bald mit weiteren Instrumenten und Notenmaterial ausgestattet – ist im Vergleich zu vielen ostwestfälischen Chören also recht jung. Umso erfreulicher war das begeisterte Echo auf den ersten Auftritt der jugendlichen Laienmusiker. Im Advent 1951 musizierten bereits 10 Bläser in der Gemeinde. Zum Jahreswechsel 1951/52 begrüßten sie vom Schützenpark aus, wo heute die Stadthalle steht, nach dem Glockengeläut auch mit Posaunenmusik das neue Jahr. Als Eberhard Röhrig zum Theologiestudium Attendorn verließ, leiteten zunächst die Organisten der Gemeinde, Gustav Fuhrmeister und Olaf Strauß, den Chor weiter. 1962 übernahm Paul Schweighöfer die Aufgabe und stand volle 24 Jahre lang dem Posaunenchor vor. In seiner Zeit kamen – motiviert vom damaligen Pfarrer Peters im Konfirmandenunterricht - weitere Jungen und auch die ersten Mädchen dazu.

 

Arbeit am 150. Psalm mit Höhen und Tiefen

Die Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt ist den ehemalig und gegenwärtig Musizierenden, ihren langjährig engagierten Chorleitenden wie auch Gott selber sehr dankbar, dass das kleine Ensemble durch die Jahrzehnte seinem Verkündigungsauftrag treu bleiben und kürzlich noch die Konfirmation in Grevenbrück begleiten konnte. Mit den Instrumenten als „tragbarer Orgel“ werden die Auferstehungs-Andachten auf dem Ev. Friedhof zu Ostern und am Ewigkeitssonntag wie auch Adventsandachten am großen Wichernkranz begleitet. Das Selbstverständnis des Chores, als „Mitarbeiter am 150. Psalm“ musikalisch das Evangelium zu verkünden, ist über die Jahre zentrales Anliegen geblieben. Allerdings geschieht dies nicht mehr allein mit Chorälen und Flügelhörnern, sondern einem modernisierten Instrumentarium und einem weitgespannten Repertoire anspruchsvoller Bläserliteratur, welches in Gottesdiensten und unter freiem Himmel mit Swing und Spiritual, Bach und Blues auch Kirchenferne begeistert.

 

 

Viele Wechsel und Wachsende Ökumene

Nachdem Klaus-Günther Schmidt – früher selbst Bläser bei Schweighöfer - über 10 Jahre den Chor geleitet hatte, der beherzt übernehmende Horst Nixdorf nach engagierten Jahren früh verstarb und Veronika Drexelius über eineinhalb Jahre den Chor weitergeführt hatte, wurde mit Stefan Köhler 2008 erstmalig einem Berufsmusiker das Dirigentenamt und die sich gut entwickelnde Jungbläserarbeit anvertraut. Nach seiner Pensionierung übernahm Stephan Reising den Dirigentenstab, unter dessen Leitung im Reformationsjubeljahr 2017 - unterstützt von Musizierenden aus Feuerwehr und Kirchenkreis - eine fulminante „Feuerwerksmusik“ beim Gustav-Adolf-Fest vor der Erlöserkirche aufgeführt wurde. Die wechselseitige ökumenische Unterstützung zwischen den Musikvereinen hat so auf musikalischer Ebene frühere konfessionelle Mauern längst überwunden. Über Mitbläser wurden in den letzten Jahren zudem Kontakte nach Namibia aufgenommen.

  

Seit 2019 steht als aktueller Posaunenchorleiter mit Julius Griese wieder ein junger Abiturient am Pult, der - wie der damalige Gründer Eberhard Röhrig – gerade erst 18 Jahre alt geworden ist.

Generationenübergreifendes Musizieren

So haben in den zurückliegenden 70 Jahren mehrere Generationen junger und junggebliebener Gemeindeglieder im breiten Altersspektrum von 8-80 Jahren im Ev. Posaunenchor ein Blechblasinstrument gelernt und beim Musizieren miteinander Freundschaft geschlossen. Wohl kaum eine andere Gemeindegruppe kann ein so breites Altersspektrum aufweisen. Gemeinsam haben Alt und Jung Höhepunkte erlebt wie das beeindruckende „Flächengold“ bei Großveranstaltungen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag oder eine Chorreise nach Linz-Gallneukirchen/ Oberösterreich. Einige blieben dem Musizieren zur Ehre Gottes sogar über Jahrzehnte treu. Zu den Dienstältesten gehörte etwa - stets an der Seite von Wilhelm Sternagel, der unter vielen bereits verstorbenen Mitmusizierenden zu nennen ist – der aus Schlesien stammende Manfred Metzner, welcher von 1959 bis 2011 das Baritonhorn spielte und den Chor in der Öffentlichkeit vertrat.                                                                                Aber auch der ehemalige Chorgründer, Superintendent i. R. Pfr. Dr. Eberhard Röhrig, war noch bis vor kurzem als Posaunist aktiv. Krankheitsbedingt konnte er leider nur in Gedanken von Wuppertal aus das Jubiläum begleiten. Viele nutzten aber auch die Möglichkeit, am Computerbildschirm der Streaming-Übertragung des Gottesdienstes zu folgen, in dessen Zentrum Luthers Christus-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ stand (unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=K1VpOCxiL7w ).

Gedämpfte Töne in Corona-Zeiten

Wie so viele Musikvereine und Chöre hat auch der Posaunenchor unter Corona-Krise und fehlenden Proben angesichts der realen Gefahr einer Virusübertragung durch Aerosole sehr gelitten. Erst seit Kurzem traf man sich wieder unter nötigen Hygienemaßnahmen und konnte so trotz bewusst kleiner Besetzung den sehr festlichen Jubiläumsgottesdienst zum Reformationsfest gestalten. Sehr gefreut hat sich die Chorgemeinschaft, dass Kirchenmusikdirektor Ulrich Dieckmann, westfälischer Posaunenwart des Posaunendienstes in der Ev. Kirche von Deutschland, selber den Festgottesdienst besuchte und nach volltönendem Abschluss unter freiem Himmel mit dem Bach-Choral „Nun danket alle Gott“ und Matthias Claudius´ „Der Mond ist aufgegangen“ für das Geburtstagskind herzliche Worte der Wertschätzung fand.  

 

Der Einladung der Psalmen, „jauchzt mit Trompeten und Posaunen“ möchten die Musizierenden nach dem derzeitigen Teil-Lock-down möglichst bald unter sorgfältiger Beachtung der notwendigen Hygieneauflagen wieder ernst nehmen. Zumindest in den nächsten vier Wochen fallen alle Proben „von Bach bis Blues“ (- normalerweise dienstags um 19.15 Uhr in der Erlöserkirche -) allerdings aus. Bei Interesse an näheren Informationen finden Musizierende hier Kontakt: Jens Dolligkeit, Tel. 0151/67236711.

 

GRUSSWORT zum 70jährigen Bestehen des Posauenchores Attendorn

Liebe Bläserinnen und Bläser,

im Namen des Posaunenwerkes in der Ev. Kirche von Westfalen gratuliere ich sehr herzlich zum 70jährigen Bestehen des Posaunenchores Attendorn. Zum Posaunenwerk gehören etwa 270 Mitgliedschöre mit über 5.000 Bläserinnen und Bläsern, in ganz Deutschland musizieren etwa 110.000 Bläserinnen und Bläser.

In Coronazeiten wird es im November stiller um  die sonst so klangprächtige und für unsere Kirche wichtige Verkündigung des Wortes durch die Bläsermusik. Proben der Posaunenchöre dürfen bis Ende November nicht stattfinden, auch soziale Kontakte unterbleiben. Gerade jetzt in den Zeiten, in denen wir mit dem Coronavirus leben müssen, könnten Posaunenchöre ein deutliches und klangvolles Lebenszeichen der Kirche in der Öffentlichkeit geben.

Wie wichtig Musik für die Menschen war und ist, hat der Musiktheoretiker Jaohanes Tinctoris (gestorben 1511) schon zu Luthers Zeiten formuliert und listet neben sechs geistlich-fromm-erbaulichen folgende weitere Wirkungen der Musik auf:

 

„Die Musik vertreibt die Traurigkeit.

Die Musik löst die Härte des Herzens.

Die Musik vertreibt den Teufel.

Die Musik bewirkt die Ekstase.

Die Musik erhebt den irdischen Geist.

Die Musik hält den bösen Willen zurück.

Die Musik erfreut die Menschen.

Die Musik heilt die Kranken.

Die Musik erleichtert die Mühen der Arbeit.

Die Musik stachelt den Mut zum Kampfe an.

Die Musik lockt die Liebe an.

Die Musik vermehrt die Annehmlichkeit des Mahles.

Die Musik macht die in ihr Erfahrenen berühmt.

Die Musik führt die Menschen zur Glückseligkeit.“

 Ich wünsche Euch, dass ihr den musikalischen Dienst weiterhin mit Freude und Engagement wahrnehmt, verbunden mit dem Dank für die geleistete Arbeit, den Einsatz und die  Ausdauer.

Ich wünsche Euch Gottes Segen für die kommende Zeit.

  

KMD Ulrich Dieckmann

Landesposaunenwart

Posaunenchor

Zurzeit trifft sich der Posaunenchor jeden Dienstag um 19.00 Uhr im Konfirmandenraum der Erlöserkirche in Attendorn. Ob Posaune, Trompete oder Tuba – mit den Blasinstrumenten werden unter der Leitung von Julius Griese Lieder oder Musikstücke erarbeitet. Von Swing bis zur Kirchenmusik sind die unterschiedlichsten Richtungen dabei.

Der Posaunenchor steht allen Interessierten offen, unabhängig von Alter und Vorkenntnissen. Kinder erhalten Unterricht am Nachmittag und nehmen in beschränktem Umfang (14-tägig und nur bis 20 Uhr) an den Proben der Großen teil, um nach und nach dort hineinzuwachsen. Unser Chor ist Mitglied im Posaunenwerk Westfalen und unterhält Kontakte zum Posaunenchor Linz-Gallneukirchen.

Kontakt: Jens Dolligkeit, Tel. 0151 6723 6711, E-Mail: jens.dolligkeitdontospamme@gowaway.web.de



Gemeindebrief

Der neue Gemeindebrief wird diese Woche etikettiert und liegt dann zur Abholung für alle Verteilerinnen und Verteiler bereit.

Wichtige Kontakte im Überblick

Bezirksbüro
Westwall 55 (Seiteneingang)
Tel   02722-25 79
Mail  infodontospamme@gowaway.evangelisch-in-attendorn.de

Öffnungszeiten: Di. 9.00-12.00 Uhr und Do. 15.00-18.00 Uhr

Zentralbüro
Siegener Str. 13
57368 Lennestadt
02721-714 04 40
lp-kg-attendorn-lennestadtdontospamme@gowaway.kk-ekvw.de

Öffnungszeiten: Mo. 9.30 -11.30 Uhr; Di. 15.00-17.00 Uhr; Mi. 15.00-17.00 Uhr und Do. 9.30-11.30 Uhr

Kontonummer


Pfarrer Andreas Schliebener
Vorsitzender des Presbyteriums: Wolfgang Dröpper

Kleiderkammer

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es in der Kleiderkammer zur Zeit keine regelmäßigen Öffnungszeiten.

Kleiderabholung: Bei Bedarf wenden Sie sich bitte zur Verabredung eines Termins zur Abholung  an: Claudia Schulz, Tel.: 0163 / 73 67 592 oder- Elke Lesko, Tel.: 02722 / 2907

Kleiderannahme: Gut erhaltene, saubere Kleidung nehmen wir gerne an. Bitte wenden Sie sich auch hier zur Terminverabredung an: Claudia Schulz, Tel.: 0163 / 73 67 592 oder Elke Lesko, Tel.: 02722 / 2907. Bitte keine Spenden vor der Tür abstellen!

!!! Achtung: Wir können nur Kleidung annehmen.Für alles andere (Hausrat, Geschirr, Spiele, Bücher) wenden Sie sich bitte an die Möbelbörse „Holzwurm“ im „lebensfroh. Kirche im Laden“).